Step-by-Step Netzwerkautomatisierung für Telkos: Klein starten, den Nutzen unter Beweis stellen, kontinuierlich skalieren
/ Lesedauer: etwa 5 Minuten
Bei vielen Telekommunikationsunternehmen verzögert sich die Automatisierung aufgrund einer Annahme: Service Orchestrierung kann erst beginnen, wenn die Netzwerkdokumentation über alle Bereiche und Services hinweg vollständig harmonisiert ist.
In der Praxis verlangsamt das Warten auf ein lückenloses Inventory den Fortschritt. Ein besserer Ansatz: Beginnen Sie mit einem klar definierten Umfang, erstellen Sie hierfür ein zuverlässiges Inventory, verknüpfen Sie das Inventory mit dem Service Orchestrator und setzen Sie die Automatisierung auf. Erweitern Sie den Umfang dann Schritt für Schritt.
Das funktioniert, weil die Automatisierung auf zwei gleichwertigen Säulen beruht:
- Skalierbares Network Inventory für einen zuverlässigen Überblick über die Ressourcen
- Service Orchestrator für koordinierte, absichtsgesteuerte Maßnahmen
Zusammen bilden sie einen geschlossenen Kreislauf, in dem bessere Daten eine bessere Automatisierung ermöglichen und die Automatisierung wiederum die Datenqualität kontinuierlich optimiert.

Sobald die Automatisierung des ausgewählten Umfangs abgeschlossen ist, lässt sich die Lösung weiter ausbauen. Auf diese Weise werden Telekommunikationsunternehmen nicht dadurch überfordert, dass sie alles auf einmal automatisieren müssen, sondern schaffen eine schrittweise Strategie zur durchgängigen Automatisierung.
Der inkrementelle Ansatz in der Praxis
1. Ein erstes Inkrement definieren
Der erste Schritt ist die Fokussierung. Die Teams für Inventory und Orchestration legen gemeinsam ein eng gefasstes Inkrement fest, in der Regel ein oder zwei Use Cases, bei denen die Automatisierung schnell einen messbaren Mehrwert erzielen kann.
Typische Beispiele:
- Aktivierung eines Business Services über eine definierte Zugangs- und Transportdomäne hinweg
- Automatisierung eines wiederholbaren Änderungsprozesses in einem bekannten Netzwerksegment
- Koordination eines Workflows zur Bereitstellung großer Datenmengen, bei dem der manuelle Aufwand nach wie vor hoch ist
2. Die anfänglichen Datengrundlage schaffen
Anschließend wird die ausgewählte Netzwerkdomäne in ein einheitliches Network Inventory integriert. Das Ziel ist dabei nicht die unternehmensweite Vollständigkeit, sondern eine zuverlässige Bestandsaufnahme der physischen, logischen und virtuellen Ressourcen, die für den Use Case benötigt werden.
Zu einem soliden Inventory gehören:
- einheitliche Verwaltung von Assets und Nachverfolgung ihres Lebenszyklus
- Darstellung der Zusammenhänge zwischen Standorten, Ressourcen und Dienstleistungen
- dynamische Updates aus dem NMS und anderen OSS-Systemen
- Einblick sowohl in den aktuellen als auch in den geplanten Zustand des Netzwerks
Diese Grundlage ist von entscheidender Bedeutung, da die Orchestrierung nur dann die richtigen Entscheidungen treffen kann, wenn sie weiß, welche Ressourcen zur Verfügung stehen.
3. Service Orchestration bereitstellen und integrieren
Als Nächstes wird der absichtsbasierte Orchestrator eingeführt, um Netzwerk- und Serviceressourcen direkt im Inventory zu designen und zuzuweisen. Dadurch entsteht der Feedback Loop, der das Modell so leistungsfähig macht: Jede Orchestrierungsmaßnahme bereichert das Inventory und jede Verbesserung des Inventory stärkt die zukünftige Orchestrierung.
Moderne Orchestrierung in diesem Modell ist absichtsbasiert und modellgesteuert. Das Unternehmen legt fest, was der Service leisten soll, und der Orchestrator bestimmt, wie dies in physischen, virtuellen und cloudbasierten Umgebungen umgesetzt werden soll. Der Orchestrator verwaltet anschließend den gesamten Lebenszyklus des Services, einschließlich Design, Bereitstellung, Aktivierung, Skalierung, Anpassung, Migration und sogar Self-Healing Szenarien, wobei er sich stets auf Echtzeit-Inventory-Daten stützt.
4. Validieren, testen und in Betrieb nehmen
Der erste Schritt wird durch Tests und Feldversuche validiert. Sobald sich der Automatisierungs-Use Case als stabil erwiesen hat, wird er in die Produktivphase überführt und schafft sofort einen geschäftlichen Mehrwert. Danach weitet das Telekommunikationsunternehmen den Einsatz auf den nächsten Use Case aus.
Ein realistischer Use Case aus der Telekommunikationsbranche: Automatisierung der FTTH-Service-Aktivierung
In einem traditionellen Setup übernehmen verschiedene Teams die Service Qualifizierung, die Ressourcenreservierung und die Bereitstellung in separaten Tools. Ingenieure müssen möglicherweise vor der Aktivierung die Verfügbarkeit der Glasfaserleitungen, die Backbone-Kapazitäten und die Serviceabhängigkeiten manuell überprüfen. Dies führt zu Verzögerungen, Inkompatibilitäten zwischen den Systemen und Nacharbeiten.
Bei einem inkrementellen Ansatz beginnt das Telekommunikationsunternehmen mit einem Service Typ, einer Domäne und einem überschaubaren, verständlichen Workflow:
- Das Network Inventory enthält die relevanten Daten zum Anschlusspunkt des Kunden, zu den Glasfaserleitungen, zum IP/MPLS-Backbone sowie zum VLAN-Pool.
- Wenn eine Bestellung eingeht, kann das System die entsprechenden Ressourcen reservieren und die Bereitstellung automatisch auslösen.
- Der Service Orchestrator nutzt diese Inventory Daten, um die Verfügbarkeit von Ressourcen und deren Abhängigkeiten in Echtzeit zu überprüfen.
- Sobald der Service aktiviert ist, wird das Inventory sofort aktualisiert, sodass der dokumentierte Netzwerkstatus stets korrekt bleibt.
Ein solches Szenario ist insbesondere für B2B-Services von Bedeutung, bei denen Aktivierungszeiten, die Einhaltung von SLAs und die Genauigkeit der Bestellungen direkten Einfluss auf die Kundenzufriedenheit und den Umsatz haben.
Fallstricke, die es zu vermeiden gilt
Selbst mit der richtigen Strategie gibt es einige häufige Fehler, die Automatisierungsinitiativen immer wieder verlangsamen.
Inventory und Orchestrierung als separate Initiativen behandeln
Das Inventory liefert die zuverlässige Transparenz, die die Orchestrierung benötigt, um Maßnahmen zu ergreifen, während die Orchestrierung das Inventory durch Synchronisierung und Feedback auf dem neuesten Stand hält. Werden diese Prozesse getrennt geplant, riskieren Telekommunikationsunternehmen Doppelarbeit, uneinheitliche Prioritäten und ein Automatisierungsmodell, das niemals wirklich skalierbar wird.
Auf „perfekte“ Daten warten, bevor man anfängt
Das Streben nach 100% Inventory-Vollständigkeit kann die Automatisierung um 36 bis 48 Monate verzögern. Der inkrementelle Ansatz zielt darauf ab, dieses Problem zu vermeiden: Man beginnt mit dem minimal erforderlichen Umfang, schafft eine zuverlässige Grundlage für spezifische Use Cases und verbessert die Datenqualität mit jeder Iteration.
Die Notwendigkeit von Governance, Ownership und Qualitätskontrolle unterschätzen
Telekommunikationsunternehmen benötigen klar definierte Zuständigkeiten für Datenbereiche und Koordinierungsrichtlinien sowie Qualitätskontrollen, regelmäßige Audits und KPIs für die Aktualität und Genauigkeit der Daten. Ohne diese Disziplin kann selbst ein vielversprechender erster Use Case mit der Zeit an Schwung verlieren. Erst durch eine solide Governance wird aus einem anfänglichen Erfolg ein nachhaltiger Betriebsmodus.
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