Wie gut ist Ihre Infrastrukturdokumentation wirklich? Ein Selbstcheck für Hochschulen

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Solange alles läuft, reicht fast jede Dokumentation. Die Excel-Liste ist halbwegs gepflegt, der Visio-Plan ungefähr aktuell und wenn etwas unklar ist, fragt man den Kollegen, der es weiß. Wie gut die Datenbasis wirklich ist, zeigt sich erst am Freitagnachmittag. Ein zentraler Switch muss getauscht werden und niemand kann auf Anhieb sagen, welche Institute daran hängen.

Es lohnt sich, diese Frage einmal vorher zu stellen. Die folgenden zehn Aussagen hören wir in Gesprächen mit Hochschulen und Universitäten immer wieder. Je mehr davon zutreffen, desto wahrscheinlicher ist es, dass der bestehende Ansatz an seine Grenzen kommt.

 

Warum der Druck gerade jetzt steigt

Hochschul-IT bedeutet längst mehr als Serverbetrieb und ein paar hundert Arbeitsplätze. Dazu kommen Rechenzentrumsinfrastruktur, campusweite Netze, strukturierte Gebäudeverkabelung sowie zentrale Services für Lehre und Verwaltung. An forschungsstarken Einrichtungen wird die Liste noch länger, etwa um HPC-Umgebungen, Forschungsdatenmanagement und die Anbindung an DFN, ACOnet oder SWITCH. Gewachsen ist das über Jahre, oft über Jahrzehnte.

Erschwerend wirkt die Organisationsform. Fachbereiche, Institute und Forschungsgruppen haben eigene Anforderungen, eigene Budgets und eigene Entscheidungswege. Die zentrale IT ist dadurch oft nicht alleiniger Betreiber, sondern eher interner Dienstleister für sehr unterschiedliche Bedarfsträger. Anforderungen entstehen dezentral, umgesetzt werden müssen sie in einer gemeinsamen Infrastruktur.

Gleichzeitig steigen die Erwartungen: mehr Changes im laufenden Betrieb, höhere Anforderungen an Cybersicherheit und Governance und der spürbare Druck, Ressourcen effizienter einzusetzen. Die Teams wachsen dabei in der Regel nicht mit. Genau an dieser Stelle zeigt sich, ob die eigene Datenbasis dafür ausreicht.

 

Der Selbstcheck

Gehen Sie die folgenden zehn Aussagen durch und zählen Sie mit, wie viele davon auf Ihre Situation zutreffen.

Wie die Daten gepflegt werden

  • Infrastrukturinformationen werden in mehreren Tools oder Dokumenten parallel gepflegt.
  • Kritisches Wissen hängt stark an einzelnen Personen.
  • Dokumentation gilt eher als Pflichtaufgabe und hilft im Betrieb nur begrenzt weiter.

Diese drei Punkte hängen eng zusammen. Wenn Netzwerk, Verkabelung, Rechenzentrum und Assets von verschiedenen Teams in verschiedenen Tools gepflegt werden, entstehen nicht nur Lücken, sondern auch unterschiedliche Detailtiefen. Die Kollegin aus dem Netzwerkteam dokumentiert anders als der Kollege aus der Verkabelung und beide haben gute Gründe dafür. Nur ergibt die Summe kein Gesamtbild. Der Ausgleich dafür ist Erfahrungswissen, das an Personen hängt. Das funktioniert, solange diese Personen da sind.

 

Wie der Betrieb damit zurechtkommt

  • Bei Störungen müssen Teams erst Daten zusammentragen, bevor die Analyse beginnen kann.
  • Die Auswirkungen von Changes auf Services oder andere Bereiche sind nicht sofort sichtbar.
  • Es gibt keine durchgängige Sicht darauf, welche Services an welchen Komponenten hängen.
  • Abweichungen zwischen Planung und Umsetzung fließen nicht zuverlässig in die Dokumentation zurück.

Hier wird es teuer, weil es um Zeit geht. Im Störungsfall vergeht die erste halbe Stunde oft damit, überhaupt herauszufinden, welche physischen und logischen Komponenten betroffen sind und wer informiert werden muss. Bei geplanten Changes verschiebt sich der Aufwand nach vorne: Ein technisch überschaubarer Eingriff zieht zusätzliche Abstimmungsrunden und Freigabeschleifen nach sich, weil niemand die Auswirkungen sicher einschätzen kann.

Der letzte Punkt ist der unauffälligste und gleichzeitig der folgenreichste. Wenn Änderungen umgesetzt, aber nicht sauber zurückgeschrieben werden, altert die Dokumentation mit jedem Change ein Stück. Nach zwei Jahren weiß niemand mehr genau, wo sie noch stimmt.

 

Wie geplant und nachgewiesen wird

  • Investitionen werden eher aus Erfahrung priorisiert als auf Basis verknüpfter Infrastrukturdaten.
  • Für Audits und Governance-Nachweise müssen Informationen manuell zusammengestellt werden.
  • Modernisierungsvorhaben starten oft mit Datenlücken statt mit konkreter Planung.

Erfahrungsbasierte Priorisierung ist nichts Schlechtes. Erfahrene Leute liegen erstaunlich oft richtig. Nur lässt sich eine solche Einschätzung schlecht gegenüber der Hochschulleitung begründen, wenn es um sechsstellige Beträge geht. Und sie skaliert nicht: Wer wirklich wissen will, wo die Engpässe sitzen, braucht harte Zahlen zu Auslastung, Kapazitäten, Abhängigkeiten und Zustand.

Ähnlich beim Thema Audit. Sobald Informationen für eine Prüfung zusammengestellt werden müssen, zeigt sich die Qualität der Datenbasis sehr direkt. Der manuelle Aufwand ist das eine. Das andere ist die Unsicherheit, ob der zusammengetragene Stand tatsächlich vollständig ist.

 

Was Ihr Ergebnis bedeutet

0 bis 2 Treffer. Gute Ausgangslage. Ihr Ansatz funktioniert, an einzelnen Stellen lässt sich nachschärfen, aber die Grundlage stimmt. Behalten Sie im Blick, ob sich das mit den nächsten Ausbauvorhaben ändert.

3 bis 5 Treffer. Erste Schwachstellen sind sichtbar. Das ist kein Alarmsignal, sondern eher ein Hinweis auf einen guten Zeitpunkt. Der bestehende Ansatz funktioniert im Alltag noch, stößt aber zunehmend an Grenzen. Wer jetzt handelt, tut das aus einer geordneten Situation heraus und nicht unter Druck.

6 oder mehr Treffer. Deutlicher Handlungsbedarf. Der bestehende Ansatz funktioniert nur noch eingeschränkt. Gerade bei Changes und Störungen steigen manueller Aufwand und Verzögerungen spürbar an. Erfahrungsgemäß ist in dieser Lage nicht das Tool das größte Problem, sondern die Frage, wo man anfängt.

 

Woran Sie ansetzen können

Wenn Sie etwas ändern wollen, klären Sie am besten vorher, worauf es ankommt. Die folgenden sieben Punkte helfen bei der Bewertung, egal ob Sie eine bestehende Lösung ausbauen oder eine neue auswählen:

Einheitliches Datenmodell. Informationen aus verschiedenen Infrastrukturbereichen gehören in ein konsistentes Modell. Nur so entsteht eine Gesamtsicht statt vieler Teilbilder.

Sicht auf die gesamte Infrastruktur. Physische, logische und virtuelle Bestandteile müssen im Zusammenhang sichtbar sein: Rechenzentrum, Netzwerk, Verkabelung, IT-Assets und die zugehörigen Service-Beziehungen.

Verständliche Visualisierung. Gerade bei verteilter Campus-Verkabelung macht es einen Unterschied, ob man eine Tabelle liest oder die Verkabelung schematisch und georeferenziert vor sich sieht. Für das Rechenzentrum kommen 2D- und 3D-Darstellungen dazu.

Plan- und Ist-Zustand. Änderungen sollten sich auf Basis realer Daten planen und nach der Umsetzung sauber in den Ist-Zustand überführen lassen. Damit schließt sich die Lücke, durch die Dokumentation sonst über die Jahre veraltet.

Workflows und strukturierte Change-Umsetzung. Eine Plattform sollte Informationen nicht nur speichern, sondern operative Abläufe unterstützen: nachvollziehbare Änderungen, Work Orders, strukturierte Freigaben.

Unterstützung von Compliance und Audit. Nachweise strukturiert führen, Änderungen nachvollziehbar dokumentieren, Informationen ohne großen Aufwand bereitstellen.

Integrationsfähigkeit. Sie haben bereits Systeme und Datenquellen im Einsatz. Eine neue Lösung muss sich einfügen und darf nicht das nächste Datensilo schaffen. Offene Schnittstellen und die Fähigkeit, Informationen aus verschiedenen Quellen relational zu verknüpfen, sind dafür entscheidend.

 

Ein Beispiel, warum sich das rechnet

Beim Deutschen Elektronen-Synchrotron DESY hat ein Leitungsschaden sehr deutlich gezeigt, was fehlende Übersicht kostet. Welche Services betroffen waren und wer zuständig war, musste erst mühsam recherchiert werden, weil eine verknüpfte Sicht auf die Infrastruktur fehlte. Nach der zentralen Planung und Dokumentation der Kabelinfrastruktur ließen sich Wartungsarbeiten deutlich gezielter vorbereiten. Seitdem braucht jeder Eingriff weniger Vorlauf.

 

Das Wichtigste in Kürze

Es reicht nicht, Informationen zur IT-, Netzwerk- und Rechenzentrumsinfrastruktur irgendwo dokumentiert zu haben. Sie müssen aktuell sein, miteinander verknüpft und im Betrieb tatsächlich nutzbar. Erst dann lässt sich erkennen, welche Komponenten, Services, Gebäude oder Fachbereiche von einer Änderung betroffen sind, welche Kapazitäten wirklich frei sind und welches Risiko im nächsten Change steckt.

 

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