Von verstreuten Daten zur gemeinsamen Datenbasis: Worauf es in der Praxis ankommt
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Eine zentrale Dokumentation zeigt im Störungsfall, welche Standorte, Anwendungen und Dienste von einer ausgefallenen Komponente betroffen sind. Bei Umbauten macht sie sichtbar, welche Ports und Fasern frei, reserviert oder belegt sind.
Soweit der Anspruch vieler Stadtwerke. Schwieriger ist der Weg dorthin: Woher kommen die Daten? Muss die Infrastruktur dafür vollständig neu aufgenommen werden? Und wie lange dauert es, bis ein erster Nutzen entsteht?
Was eine belastbare Infrastruktur-Datenbasis abbilden muss
Wie tief ein Stadtwerk seine Infrastruktur erfassen sollte, richtet sich nach den konkreten Use Cases. Dabei werden drei Ebenen häufig vermischt:
- Das Asset-Modell beschreibt, was vorhanden ist: Komponenten, Zustand, Lebenszyklus und Verantwortlichkeiten.
- Die Topologie zeigt, was womit verbunden ist.
- Die Connectivity bildet den konkreten Verlauf einer Verbindung ab, etwa über Glasfasersegmente, Patchfelder, Spleißpunkte und Muffen.
Passende Lösung
Topologie ist nicht Geografie. Eine Karte zeigt, wo sich ein Objekt befindet. Ein Topologie-Modell zeigt, wie Objekte zusammenhängen. Auf der Connectivity-Ebene entscheidet sich, wie schnell sich im Betrieb eine Frage beantworten lässt. Liegen die Informationen nur in Plänen, Tabellen und Zeichnungen, muss im Störungsfall recherchiert werden. Liegen sie in einem zentralen Datenmodell vor, genügt eine Abfrage.
Am Anfang steht deshalb nicht die Frage nach dem richtigen Tool, sondern eine Frage an den eigenen Betrieb: Welche Auskünfte sollen künftig abrufbar sein, statt jedes Mal neu rekonstruiert zu werden? Die Antwort bestimmt, welche Daten benötigt werden und wie das Vorhaben zugeschnitten wird.
Drei Phasen und wo der Aufwand wirklich liegt
Ein klar abgegrenzter Einstieg, etwa die Netzwerk-Connectivity einschließlich der strukturierten Verkabelung oder ein zentraler Technikstandort, bringt innerhalb weniger Wochen ein nutzbares Ergebnis. Die vollständige Konsolidierung über mehrere Sparten und Standorte ist dagegen ein Programm über mehrere Monate, das in der Regel in drei Phasen abläuft. Die Zeitangaben sind Erfahrungswerte, die tatsächliche Dauer hängt von Umfang, Datenqualität und verfügbaren Ressourcen ab. Die Zeitangaben sind Erfahrungswerte, die tatsächliche Dauer hängt von Umfang, Datenqualität und verfügbaren Ressourcen ab.
- Konsolidieren: Verteilte Bestandsdaten werden in ein gemeinsames Modell überführt. Dazu gehören die einmalige Bereinigung von Dubletten und die Klärung von Widersprüchen. In einem mittelgroßen Stadtwerk sind dafür drei bis sechs Monate realistisch.
- Standardisieren: Für die laufende Pflege wird ein gemeinsames Schema festgelegt. Dazu gehören verbindliche Attribute, Objekttypen und Verknüpfungsmuster. Dafür sollten weitere zwei bis vier Monate eingeplant werden.
- Optimieren: Auf Basis des Modells entstehen die Sichten, die im Betrieb benötigt werden: Abhängigkeiten für die Störungsbearbeitung, Kapazitäten für Changes und Auswertungen für Prüfungen.
Der aufwendigste Schritt ist die Konsolidierung, nicht aus technischen, sondern aus organisatorischen Gründen. Bei jedem Widerspruch zwischen zwei Quellen muss geklärt werden, welche künftig maßgeblich ist und wer den Datenbestand pflegt: zwei unterschiedliche Inbetriebnahmedaten für dieselbe Ortsnetzstation, zwei Verantwortliche für denselben Glasfaserstrang. Diese Entscheidungen sind der anspruchsvollste Teil der Konsolidierung und keine Software kann sie übernehmen.
Müssen wir alles neu erfassen?
Meistens nicht. Die Bestandsaufnahme ergibt in der Regel ein gemischtes Bild:
- Daten sind vorhanden und verwertbar.
- Daten sind vorhanden, aber unvollständig.
- Daten sind vorhanden, aber fehlerhaft oder mehrdeutig, etwa durch Dummy-Bezeichnungen.
- Daten sind nicht vorhanden.
Aktive Netzkomponenten und IT-Systeme lassen sich weitgehend aus vorhandenen Systemen übernehmen, teils über Discovery und Netzwerkmanagement. Manuelle Erfassung verlangt vor allem die passive Seite: Verkabelung, Fasern, Patch- und Spleißpunkte sowie Technik in Stationen und an verteilten Standorten.
Die Erfassung kann schrittweise erfolgen. Ein abgegrenzter Bereich ist produktiv nutzbar, bevor der Gesamtbestand vollständig vorliegt.
Ein Sonderfall ist die netzorientierte Steuerung nach Paragraph 14a Energiewirtschaftsgesetz: Welche steuerbare Verbrauchseinrichtung an welcher Ortsnetzstation hängt, ist im Niederspannungsnetz häufig nicht dokumentiert und muss abschnittsweise erhoben werden. Dieser Aufwand gehört in die Programmplanung.
Was mit den vorhandenen Systemen passiert
Die bestehenden Fachsysteme bleiben, wo sie sind. Die konsolidierte Datenbasis ersetzt sie nicht, sondern verknüpft ihre Informationen und ergänzt sie um Beziehungen, die keines der Einzelsysteme vollständig enthält.
| Quelle | Was übernommen wird |
| Führendes GIS bzw. Netzinformationssystem | Topologie- und Geodaten der Netze |
| Monitoring und Discovery | Aktueller Stand erreichbarer Komponenten |
| Leitsystem / SCADA | Statische Konfigurationssicht der OT-Technik |
| Abrechnung und Marktkommunikation | Zuordnung zu Hausanschlüssen und Zählpunkten |
FNT Command ist darauf ausgelegt, Daten aus unterschiedlichen Quellsystemen zusammenzuführen. Für viele verbreitete IT- und Rechenzentrumssysteme stehen Standardschnittstellen bereit, die sich konfigurieren lassen. Auch versorgerspezifische Fachsysteme können über das FNT IntegrationCenter und etablierte.
Schnittstellenmechanismen projektspezifisch angebunden werden. So bleibt das zentrale Datenmodell stabil, auch wenn sich einzelne Quellsysteme später ändern oder abgelöst werden.
Wie die Datenbasis im Betrieb aktuell bleibt
Die Migration ist nur der Anfang. Eine Dokumentation, die nach der Einführung gleich wieder veraltet ist, hilft weder im Betrieb noch bei einer Prüfung.
Drei Dinge halten sie aktuell:
- ein Änderungsprozess, bei dem Planungen auf Basis des Ist-Zustands vorgenommen und Änderungen nach Ausführung direkt als neuer Stand übernommen werden,
- eine Daten-Governance, die je Objekt festlegt, welches Quellsystem führend ist, wer Änderungen freigibt und wie Abweichungen behandelt werden,
- die Möglichkeit, Änderungen direkt vor Ort zu erfassen, statt Tage später am Schreibtisch.
Drei Fragen vor dem Start
Bevor Sie ein solches Vorhaben aufsetzen, lohnt ein Blick auf den eigenen Stand. Drei Fragen helfen, die Größenordnung besser einzuschätzen:
- Aus wie vielen Systemen und Dateien führen Sie heute eine vollständige Sicht auf Ihre IT- und Netzinfrastruktur zusammen und wer übernimmt diese Arbeit?
- Wie lange dauert es, zuverlässig zu beantworten, welche Standorte und Dienste an einer bestimmten Komponente oder Faser hängen?
- Woher wissen Sie, welche Ports und Fasern frei, reserviert oder belegt sind? Und wie oft zeigt sich vor Ort, dass diese Information nicht mehr aktuell ist?
Je mehr Systeme beteiligt sind und je unklarer die Antworten ausfallen, desto größer ist der Konsolidierungsbedarf. Dann fließt Zeit in die wiederholte Suche, Prüfung und Zusammenführung von Daten statt in ihre Nutzung.
Eine Datenbasis für Betrieb, Planung und Nachweise
In vielen Stadtwerken fehlt das Datenfundament nicht. Es ist auf verschiedene Systeme, Dateien und Verantwortungsbereiche verteilt.
Entscheidend ist deshalb weniger die Auswahl des Tools als die Frage, an welcher Stelle die Informationen zusammengeführt werden und wer sie künftig pflegt. Wer diese Arbeit für den Betrieb leistet, schafft zugleich die Grundlage für verschiedene Pflichten von Stadtwerken: NIS-2, KRITIS-Dachgesetz, die kommunale Wärmeplanung und die netzorientierte Steuerung nach Paragraph 14a Energiewirtschaftsgesetz erfordern unterschiedliche Sichten, beruhen im Kern aber auf derselben Datenbasis.
Wie sich diese Anforderungen mit einer gemeinsamen Datenbasis effizienter erfüllen lassen, zeigt unser Expert Paper „Drei Pflichten, ein Datenfundament“.
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