Fraud Blocker FNT Blog: Digital Twin im Rechenzentrum mit AR und KI

Ein Arbeitstag im Rechenzentrum - wie AR, KI und ein validierter Digital Twin operative Abläufe vereinfachen können

/ Lesedauer: etwa 4 Minuten


Der Alltag im Rechenzentrum besteht selten aus spektakulären Ereignissen. Meist geht es um Routineaufgaben: ein Port muss neu gepatcht werden, ein Gerät wird installiert, ein Asset überprüft oder eine Änderung dokumentiert. Gerade diese scheinbar einfachen Tätigkeiten entscheiden jedoch oft darüber, wie stabil und effizient ein Rechenzentrum betrieben werden kann.

Gleichzeitig steigt die Komplexität moderner Infrastruktur kontinuierlich. Hybride Architekturen, Cloud-Anbindungen und steigende Anforderungen an Verfügbarkeit und Compliance erfordern eine präzise und aktuelle Dokumentation der gesamten Umgebung. Dabei zählen eine unvollständige Dokumentation und menschliche Fehler weiterhin zu den häufigsten Ursachen für Störungen im Rechenzentrumsbetrieb.  

 

Wo im Alltag die größten Reibungsverluste entstehen

Viele operative Abläufe beginnen mit einer einfachen Frage: Ist die Dokumentation wirklich korrekt?

Vor einer Änderung oder Wartung müssen Teams oft mehrere Schritte durchlaufen:

  • Dokumentation prüfen
  • Geräte und Ports identifizieren
  • den aktuellen Zustand vor Ort verifizieren
  • mögliche Abweichungen klären

Gerade in großen oder historisch gewachsenen Umgebungen kann das zeitaufwendig sein. Informationen liegen in unterschiedlichen Systemen, Änderungen wurden möglicherweise noch nicht nachgeführt oder die physische Infrastruktur stimmt nicht vollständig mit der digitalen Dokumentation überein.

Das führt zu typischen Problemen im Betrieb:

  • zusätzlicher Abstimmungsbedarf im Team
  • Unsicherheit bei der Ausführung von Aufgaben
  • erhöhte Fehleranfälligkeit
  • längere Bearbeitungszeiten

Um diese Lücke zu schließen, setzen moderne Ansätze darauf, physische Infrastruktur, operative Prozesse und Dokumentation enger miteinander zu verbinden.

 

Arbeiten direkt am Rack - mit zuverlässigen Daten aus dem Digital Twin

Ein möglicher Ansatz besteht darin, Infrastrukturdaten direkt dort verfügbar zu machen, wo gearbeitet wird: am Rack.

Mit Hilfe mobiler Endgeräte kann die physische Infrastruktur erfasst und mit einem digitalen Zwilling abgeglichen werden. Dabei lassen sich Geräte automatisch erkennen und mit den dokumentierten Daten vergleichen. Abweichungen werden unmittelbar sichtbar und können direkt korrigiert werden.

Gleichzeitig können relevante Informationen direkt im Arbeitskontext dargestellt werden, zum Beispiel:

  • das betroffene Gerät oder die richtige Höheneinheit
  • zugehörige Ports oder Verkabelungen
  • relevante Arbeitsanweisungen oder Tickets
  • Informationen zu vorherigen Änderungen

Der Vorteil dieses Ansatzes liegt darin, dass Mitarbeitende nicht mehr zwischen verschiedenen Informationsquellen wechseln müssen. Die benötigten Daten stehen direkt dort zur Verfügung, wo die Arbeit ausgeführt wird.

 

Weniger Interpretationsspielraum bei Routineaufgaben

Besonders bei wiederkehrenden Tätigkeiten zeigt sich der praktische Nutzen dieses Ansatzes. Typische Aufgaben im Rechenzentrum sind beispielsweise:

  • Patching von Netzwerkverbindungen
  • Installation oder Austausch von Hardware
  • Inspektionen und Wartungsarbeiten
  • Fehleranalyse und Störungsbehebung

In hochverdichteten Rack-Umgebungen können kleine Verwechslungen schnell zu Problemen führen. Wenn Arbeitsanweisungen und Infrastrukturinformationen jedoch direkt am physischen Objekt sichtbar sind, sinkt das Risiko solcher Fehler erheblich.

Die zugrunde liegenden Daten stammen dabei aus einem validierten Digitalen Zwilling, der sowohl physische als auch logische Komponenten des Rechenzentrums und deren Abhängigkeiten abbildet. Änderungen werden nach Abschluss der Arbeit wieder in dieses Modell zurückgespielt, sodass Dokumentation und Realität synchron bleiben.

 

Fachwissen verfügbar machen, ganz unabhängig vom Standort

Ein weiteres häufiges Szenario im Betrieb betrifft den Zugriff auf Expertenwissen. Gerade bei komplexeren Systemen oder seltenen Fehlerbildern ist spezielles Know-how nicht immer vor Ort verfügbar.

Hier kann ein Remote-Assist-Ansatz helfen. Dabei kann ein erfahrener Spezialist aus einem anderen Standort zugeschaltet werden und erhält:

  • einen Live-Blick auf das betroffene Rack
  • Kontextinformationen aus dem digitalen Zwilling
  • Details zu Geräten, Ports und früheren Änderungen

Zusätzlich können visuelle Hinweise direkt im Sichtfeld der technischen Fachkraft vor Ort platziert werden, um Arbeitsschritte zu erläutern oder zu überprüfen. Das erleichtert das sowohl die Fehlerbehebung als auch die Einarbeitung neuer Mitarbeitenden immens.  

Gerade vor dem Hintergrund des Fachkräftemangels kann dieser Ansatz helfen, vorhandenes Expertenwissen effizienter im Unternehmen zu verteilen.

 

Dokumentation wird Teil des Arbeitsprozesses

Ein zentrales Problem vieler Rechenzentren besteht darin, dass Dokumentation häufig erst nach der eigentlichen Arbeit erfolgt. Dadurch entstehen Verzögerungen, Inkonsistenzen oder Informationslücken.

Ein integrierter Ansatz kann diese Situation verbessern, indem Änderungen direkt während der Ausführung in den digitalen Zwilling zurückgeführt werden. Das bedeutet:

  • Infrastrukturänderungen werden sofort dokumentiert
  • der aktuelle Zustand bleibt jederzeit nachvollziehbar
  • Audit- und Compliance-Anforderungen lassen sich einfacher erfüllen

Eine solche Integration ermöglicht eine deutlich schnellere Dokumentation sowie eine kontinuierliche Auditbereitschaft.  

 

Fazit

Für Rechenzentrums-Teams entsteht der praktische Nutzen solcher Ansätze vor allem im täglichen Betrieb. Wenn physische Infrastruktur, operative Aufgaben und digitale Dokumentation enger miteinander verbunden sind, verändert sich der Charakter des Betriebs: weg von einem überwiegend reaktiven Vorgehen hin zu einem stärker integrierten und proaktiven Infrastrukturmanagement.

Mehr zum Zusammenspiel von Digital Twin, Augmented Reality und KI im Rechenzentrumsbetrieb finden Sie im Partner Solution Paper von FNT Software und DC Smarter:

„Die Augmentation von Data Center Infrastructure Management – Digital Twins und Remote Hands für mehr Energie- und Betriebseffizienz“