Warum ein Inventory das fehlende Bindeglied zur echten Netzwerkautonomie ist
/ Autor: Daria Batrakova / Lesedauer: etwa 2 Minuten
Künstliche Intelligenz (KI) verändert die Telekommunikationsbranche grundlegend, und das Konzept der Autonomen Netze (Autonomous Networks, AN) verspricht den umfassenden Einsatz von Agenten und GenAI im Netzbetrieb. Doch während Netzbetreiber auf selbstoptimierende und selbstheilende Netze hinarbeiten, bleibt eine zentrale Wahrheit bestehen: KI ist nur so gut wie die Daten, mit denen sie versorgt wird.
Der KI-Hype – und die versteckte Lücke
Viele Technologieanbieter versprechen, dass KI-gestützte Operations Support Systems (OSS) der nächsten Generation klassische Network-Inventory-Systeme überflüssig machen. Sie behaupten, Netzwerktopologien und -verhalten ließen sich direkt aus Betriebsdaten oder Data Lakes rekonstruieren.
Dieser Ansatz übersieht jedoch einen entscheidenden Punkt: Unstrukturierte, ad hoc erzeugte und fragmentierte Daten können keine stabile Grundlage für KI-gestützte Netzwerkautomatisierung bilden.
KI kann nur so zuverlässig arbeiten, wie es die Qualität der zugrunde liegenden Daten zulässt. Ohne konsistente Daten-Governance geraten selbst die fortschrittlichsten prädiktiven Algorithmen ins Straucheln.
Warum ein verlässliches Inventory das Fundament autonomer Netze ist
Autonome Netze basieren auf kontinuierlichen Feedback-Schleifen: Sense – Analyze – Act. Die Inventory-Ebene versorgt diese Schleifen in jeder Phase mit präzisen Echtzeitinformationen:
- Sense: Liefert dem KI-Agenten ein klares Bild darüber, was überwacht werden kann.
- Analyze: Stellt den notwendigen Kontext für Alarme und Events bereit und ermöglicht eine fundierte Ursachenanalyse.
- Act: Stellt sicher, dass der Agent vor automatischen Maßnahmen weiß, welche Ressourcen tatsächlich verfügbar sind.
Kurz gesagt: Das Inventory ist die Single Source of Truth, die sicherstellt, dass KI-gestützte Prozesse nicht auf unvollständigen oder veralteten Informationen basieren.
Von reaktiv zu autonom – der Weg dorthin
Um Netzwerkautonomie Level 4 gemäß TM Forum zu erreichen, benötigen Telekommunikationsanbieter präzise, echtzeitfähige und flexible Inventory-Systeme. Diese müssen sämtliche Assets, Ressourcen und Services über den gesamten Netzwerklebenszyklus hinweg abbilden.
Darüber hinaus bildet das Inventory die Grundlage für Digital-Twin-Datenmodelle. Diese dynamischen virtuellen Abbilder des physischen Netzes ermöglichen es Netzbetreibern, Netzwerkverhalten sicher zu simulieren und zu automatisieren – sowohl als Testumgebung als auch als Entscheidungsgrundlage. So gelingt der Übergang von reaktiver Wartung zu proaktiver und schließlich autonomer Netzsteuerung.
Keine Abkürzungen zur Autonomie
Der Aufbau eines einheitlichen Inventorys ist anspruchsvoll. Er erfordert das Aufbrechen von Datensilos, die Konsolidierung unterschiedlicher Datenquellen und eine kontinuierliche Sicherstellung der Datenqualität. Der Nutzen ist jedoch erheblich:
- Bis zu 95 % höhere Datenqualität
- Über 80 % Effizienzsteigerung in der Datennutzung
- Rund 83 % Produktivitätsgewinn
Letztlich ist das Inventory der entscheidende Enabler, damit KI ihr Versprechen einlösen kann: heutige fragmentierte OSS-Landschaften in intelligente, adaptive und autonome Netzwerke zu transformieren.
👉 Mehr zu diesem Thema erfahren Sie in unserem Briefing Paper:
Warum Inventory entscheidend für Netzwerkautonomie ist